Offener Brief an Präsidentin Giorgia Meloni meloni_g@camera.it und Präsident Luca Zaia presidenza@regione.veneto.it
Lido del Sole, 29.05.2023
Sehr geehrte Ministerin Meloni, sehr geehrter Präsident Zaia,
ich schreibe Ihnen im Auftrag vieler Familien, die seit Jahrzehnten nach Italien reisen. In diesem Jahr machen wir uns große Sorgen um die Zukunft unserer italienischen Freunde. Wir fürchten, dass sie ihrer Lebensgrundlage beraubt werden und dass dadurch eine über die Jahre einander tief verbundene, große italienisch-deutsche Gemeinschaft zerbrechen wird.
Bitte erlauben Sie mir, anhand unserer persönlichen Situation den Unterschied zwischen einer Strandbar, die das Herz einer solchen Verbindung darstellt und einem Liegestuhl-Vermieter, (der in unserem Fall lediglich eine Serviceleistung erbringt) aus unserer Sicht zu beschreiben.
Wir reisen seit fast zwanzig Jahren nach Lido del Sole und haben vor 17 Jahren Dui und Giovanni kennengelernt. Dui war wie ich die Mutter eines einjährigen Sohes. Ihr Ehemann Mario, mit dem sie zusammen die Tico Tico Bar betrieben hatte, war im Jahr zuvor verstorben. Duis Bruder Giovanni hat sie darin unterstützt, die Tico Tico Bar weiter betreiben zu können. Auch Giovanni hatte einen einjährigen Sohn und unsere drei Söhne haben zusammen im Sand gespielt, bevor sie richtig laufen konnten.
Seit diesem Jahr ist die Tico Tico Bar nicht nur die Lebensgrundlage für Dui und Giovanni, sondern auch für ihre Angestellten, die über viele Jahre einen wichtigen Teil der „Tico Tico Familie“ darstellen. Seit 17 Jahren fahren wir mindestens einmal im Jahr nach Lido del Sole, um in der Tico Tico Bar mit unserer „Tico Tico Familie“ zusammen zu sein. Wir lieben diesen Ort, weil wir diese Familie lieben.
Die Uhren gehen langsam in Lido del Sole und die größten Veränderungen an diesem Ort waren die Verbesserungen der Bar, in die Dui und Giovanni unermüdlich Zeit und Geld investiert haben. Lido del Sole ist für uns und sehr viele andere deutsche, italienische und österreichische Gäste ein Ort der Freude, der Ruhe und Erholung.
Deshalb bitte ich Sie, den Unterschied zwischen Restaurant- und Barbetreibern einerseits und anonymen Liegestuhl-Vermietern andererseits in der Region Venetien anzuerkennen. Ohne Dui und Giovanni hätten wir und viele andere Menschen keine Veranlassung gesehen, jedes Jahr an den selben Ort zurück zu kehren. Sehr viele Gäste wären Italien und der Region nicht so treu geblieben, wenn sie sich nicht das ganze Jahr darauf gefreut hätten, ihre wichtigsten Bezugspersonen, ihre „italienische Familie“ wieder zu sehen.
Ich bitte Sie deshalb auch im Interesse des italienischen Tourismus, für die Betreiber von Bars und Restaurants auf öffentlichem Strandgrund eine Ausnahmeregelung zu schaffen. Sie stellen nicht nur in unserem Fall das Herz der Deutsch-Italienischen Freundschaft dar, das Sie nicht heraus reißen dürfen. Diese Geschäftsleute und ihre Gäste brauchen die Sicherheit, dass alles so bleiben darf, wie es immer war. Wir wollen nicht irgend jemanden in der Tico Tico Bar. Wir wollen Dui und Giovanni.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Respekt und herzliche Grüße
Lisa Reisch
